Kirchliche Verhältnisse

Die kirchliche Organisation im oberen Schwarzatal geht ebenfalls auf das Wirken der Grafen von Formbach zurück. Schon bald nach der Schenkung des Jahres 1094 wurde in Gloggnitz für die Verwaltung der österr. und steirischen Besitzungen des Klosters eine Propstei gegründet, welche auch das Gebiet von Payerbach - Reichenau seelsorglich betreute. Im 12. Jhdt. entstand die Payerbacher Kirche als Filialkirche von Gloggnitz und wurde 1803 von Formbacher Benediktinern betreut. Als 1. namentlich bekannter Pfarrer erscheint im Jahr 1270 der Mönch Bertholdus; 1379 wird eine Bruderschaft zu Payerbach erwähnt, 1412 die Pfarrgemeinde zu St. Jakob in Payerbach sowie die St. Michaelskapelle. Um 1350 baute man an das romanische Langhaus der Pfarrkirche, das teilweise noch erhalten ist, einen hochgotischen Chor, während das zweischiffige spätgotische Langhaus und der Wehrturm aus der Zeit 1510 stammen.

Im ausgehenden Mittelalter zerstörte ein furchtbares Hochwasser den Ort Payerbach und beraubte den Talgrund seiner Fruchtbarkeit; damit endete die mittelalterliche Payerbach; die Vikare betreuten die Klosterpfarre nur mehr von der Propstei Gloggnitz aus. Erst 1741, nach unzähligen Gesuchen an den Gloggnitzer Propst , doch wieder einen ständigen Seelsorger nach Payerbach zu schicken, erfolgte die Neubegründung der Pfarre und der Neubau eines Pfarrhofes. Der Josefi-Kirtag (19. März) erinnert heute noch an dieses denkwürdige Ereignis. Einige Jahre später kam es zu Gründung der Payerbacher Pfarrschule, wo das 1. Mal ein Schulmeister erwähnt wird.

Durch die Reformen Josephs II. wurde der Pfarrsprengel 1784 erheblich verkleinert. 1787 erbaute die Propstei Gloggnitz ein erstklassiges Schulhaus mit einer Wohnung für den Schulmeister; dieses Gebäude ist heute noch teilweise im Amtshaus der Gemeinde erhalten.

1803 hob die bayrische Regierung das Mutterstift Formbach auf, damit schlug auch für die Propstei Gloggnitz die Stunde der Aufhebung. Der letzte Vikar, Gabriel Millberger, verblieb bis 1814 auf der Pfarre. Ab 1815 versahen nur mehr Geistliche aus dem Weltpriesterstande die Payerbacher Pfarre.

Im September 1813 riss ein verheerendes Hochwasser den gegenüber der Ortsbrücke befindlichen Pfarrhof und das daneben bebaute Spital weg, wobei zwei Armenpfünderinnen den Tod fanden. Der Pfarrer, der die alte Bücher retten wollte, entging nur knapp einem ähnlichen Schicksal! Nahezu das gesamte Pfarrarchiv ging damals verloren.